Woran erkenne ich einen guten Anwalt für Arbeitnehmer?

Bei einem Konflikt mit dem Arbeitgeber stehen sich häufig ungleiche Ausgangspositionen gegenüber. Arbeitgeber verfügen regelmäßig über Personalabteilungen, interne Informationen und Erfahrung mit Kündigungen, Abmahnungen oder Aufhebungsverträgen. Arbeitnehmer müssen dagegen oftmals unter erheblichem Zeitdruck entscheiden, wie sie reagieren.


Das Wichtigste

Ein Anwalt für Arbeitnehmer ist auf die Beratung und Vertretung von Beschäftigten spezialisiert. Er prüft nicht nur die Rechtslage, sondern entwickelt eine Strategie, die zu den beruflichen, wirtschaftlichen und persönlichen Zielen des Arbeitnehmers passt. Ein Anwalt für Arbeitnehmer vertritt Beschäftigte gegenüber ihrem Arbeitgeber und vor den Arbeitsgerichten. Er kann insbesondere bei Kündigungen, Aufhebungsverträgen, Abmahnungen, Vergütungsstreitigkeiten, Versetzungen und Konflikten während des Arbeitsverhältnisses unterstützen.

Der wesentliche Vorteil liegt in der klaren Perspektive: Die Beratung orientiert sich an den Interessen des Arbeitnehmers. Je nach Fall kann es darum gehen, den Arbeitsplatz zu erhalten, eine Abfindung auszuhandeln, finanzielle Nachteile zu vermeiden oder eine geordnete Beendigung des Arbeitsverhältnisses zu erreichen.

Welche Vorteile bietet ein Anwalt für Arbeitnehmer?

Ein auf Arbeitnehmer ausgerichteter Anwalt kennt die typischen Konflikte aus Sicht der Beschäftigten. Wer ausschließlich Arbeitnehmer vertritt, ist regelmäßig mit den rechtlichen und taktischen Besonderheiten dieser Verfahren vertraut und kann seine Beratung konsequent an den Interessen des Arbeitnehmers ausrichten. Er weiß zudem, welche Folgen eine arbeitsrechtliche Entscheidung für Gehalt, Arbeitslosengeld, Arbeitszeugnis, Urlaub und die weitere berufliche Entwicklung haben kann.

Er kann außerdem typische Vorgehensweisen der Arbeitgeberseite einordnen. Eine Abmahnung, Versetzung oder kurzfristige Freistellung ist nicht immer eine isolierte Maßnahme. Sie kann Teil einer längerfristigen Strategie zur Veränderung oder Beendigung des Arbeitsverhältnisses sein. Anwälte, die sowohl die Arbeitnehmer- als auch die Arbeitgeberperspektive aus eigener praktischer Erfahrung kennen, können solche Entscheidungsabläufe und Verhandlungsstrategien häufig besonders gut einordnen.

Der Anwalt prüft deshalb nicht nur einzelne Schreiben, sondern den gesamten Zusammenhang. Gemeinsam mit dem Arbeitnehmer entwickelt er eine Strategie, die sowohl die rechtlichen als auch die wirtschaftlichen und persönlichen Ziele berücksichtigt. Häufig geht es dabei nicht nur um die Frage, ob ein Anspruch besteht, sondern auch darum, welches Vorgehen wirtschaftlich und persönlich die sinnvollste Lösung darstellt.

Unterstützung nach einer Kündigung

Nach einer Kündigung muss zunächst die dreiwöchige Klagefrist gesichert werden. Anschließend ist zu prüfen, ob rechtliche Angriffspunkte bestehen.

Von Bedeutung können insbesondere die Anwendbarkeit des Kündigungsschutzgesetzes, der Kündigungsgrund, die Beteiligung eines Betriebsrats oder Personalrats, ein besonderer Kündigungsschutz und die richtige Berechnung der Kündigungsfrist sein.

Daneben sollte frühzeitig geklärt werden, welches Ziel verfolgt wird. Manche Arbeitnehmer möchten ihren Arbeitsplatz behalten. Andere streben eine Abfindung, eine Freistellung und ein gutes Arbeitszeugnis an.

Ein Anwalt für Arbeitnehmer richtet die Verfahrens- und Verhandlungsstrategie an diesem Ziel aus. Eine Abfindung kann dabei häufig ausgehandelt werden, ist nach einer Kündigung aber nicht automatisch geschuldet.

Prüfung eines Aufhebungsvertrags

Ein Aufhebungsvertrag sollte grundsätzlich vor der Unterzeichnung geprüft werden. Anders als bei einer Kündigung besteht nach der Unterschrift regelmäßig kein allgemeines Widerrufsrecht.

Neben der Abfindung sind insbesondere das Beendigungsdatum, die Kündigungsfrist, eine mögliche Sperrzeit beim Arbeitslosengeld, die Freistellung, Resturlaub, Bonusansprüche und das Arbeitszeugnis zu berücksichtigen.

Besondere Aufmerksamkeit verdienen Ausgleichs- und Erledigungsklauseln. Sie können dazu führen, dass mit der Unterzeichnung weitere Ansprüche verloren gehen.

Ein Anwalt für Arbeitnehmer prüft deshalb nicht nur, ob die angebotene Abfindung angemessen erscheint. Er bewertet das Gesamtpaket und kann bessere Bedingungen verhandeln.

Vorgehen bei einer Abmahnung

Eine Abmahnung kann eine spätere verhaltensbedingte Kündigung vorbereiten. Sie sollte deshalb nicht vorschnell ignoriert werden, muss aber nicht zwangsweise angegriffen werden.

Zu prüfen ist insbesondere, ob der geschilderte Sachverhalt zutrifft, ob eine arbeitsvertragliche Pflichtverletzung vorliegt und ob die Abmahnung hinreichend bestimmt formuliert ist.

Nicht immer ist eine sofortige Klage auf Entfernung die beste Reaktion. Je nach Situation kann insbesondere auch gar keine Reaktion die beste Reaktion sein, zum Beispiel im Falle einer auf die Abmahnung aufbauenden Kündigung durch den Arbeitgeber. Ein spezialisierter Anwalt hilft dabei, die strategisch passende Reaktion auszuwählen.

Verhandlung auf Augenhöhe

Arbeitgeber und ihre Berater führen regelmäßig Verhandlungen über Kündigungen und Aufhebungsverträge. Für Arbeitnehmer handelt es sich dagegen häufig um eine erstmalige und persönlich belastende Situation.

Ein Anwalt kann die rechtliche und wirtschaftliche Verhandlungsposition bewerten, realistische Forderungen entwickeln und die Kommunikation mit dem Arbeitgeber übernehmen.

Das schafft eine sachlichere Verhandlungsebene. Der Arbeitnehmer muss nicht jede Nachricht selbst beantworten und kann Entscheidungen auf Grundlage einer rechtlichen Einschätzung treffen.

Schutz vor vorschnellen Erklärungen

In angespannten Situationen sollten Arbeitnehmer keine weitreichenden Erklärungen abgeben, ohne deren Folgen zu kennen. Das gilt insbesondere für:

Aufhebungsverträge.

Eigenkündigungen.

Verzichts- und Ausgleichserklärungen.

Schuldanerkenntnisse.

Gesprächsprotokolle mit streitigem Inhalt.

Stellungnahmen zu Kündigungsvorwürfen.

Eine frühzeitige Beratung kann verhindern, dass Rechte unnötig aufgegeben oder Aussagen getroffen werden, die später gegen den Arbeitnehmer verwendet werden.

Muss ich vor dem Arbeitsgericht einen Anwalt haben?

Vor dem Arbeitsgericht besteht in der ersten Instanz grundsätzlich kein Anwaltszwang. Arbeitnehmer können eine Klage selbst erheben und sich selbst vertreten.

Die Rechtsantragstelle des Arbeitsgerichts kann bei der formalen Aufnahme einer Klage unterstützen. Sie ersetzt aber keine individuelle Rechtsberatung und entwickelt keine Prozess- oder Verhandlungsstrategie.

Ob eine anwaltliche Vertretung sinnvoll ist, hängt von der Bedeutung und Komplexität des Falls ab. Bei einer Kündigung, einem Aufhebungsvertrag oder erheblichen wirtschaftlichen Folgen ist eine spezialisierte Beratung regelmäßig empfehlenswert.

Was kostet ein Anwalt für Arbeitnehmer?

Die Vergütung richtet sich entweder nach dem Rechtsanwaltsvergütungsgesetz oder nach einer Vergütungsvereinbarung.

Je nach Fall kommen unterschiedliche Vergütungsmodelle in Betracht. Neben der gesetzlichen Vergütung oder einer individuellen Honorarvereinbarung kann unter den gesetzlichen Voraussetzungen auch ein Erfolgshonorar vereinbart werden. Welche Vergütung im Einzelfall möglich und sinnvoll ist, sollte vor der Beauftragung transparent erläutert werden.

Im arbeitsgerichtlichen Verfahren erster Instanz trägt jede Partei ihre eigenen Anwaltskosten grundsätzlich selbst. Das gilt nach § 12a Abs. 1 Satz 1 ArbGG auch für die Partei, die den Rechtsstreit gewinnt.

Eine Rechtsschutzversicherung kann die gesetzlichen Kosten übernehmen. Gewerkschaftsmitglieder können unter den jeweiligen Voraussetzungen gewerkschaftlichen Rechtsschutz erhalten. Bei geringen finanziellen Mitteln kommen Beratungshilfe oder Prozesskostenhilfe in Betracht. Viele Kanzleien bieten zudem eine erste Einschätzung der Erfolgsaussichten und der zu erwartenden Kosten an, damit Arbeitnehmer eine fundierte Entscheidung über das weitere Vorgehen treffen können.

Woran erkenne ich einen guten Anwalt für Arbeitnehmer?

Entscheidend ist, ob der Anwalt regelmäßig arbeitsrechtliche Mandate auf Arbeitnehmerseite bearbeitet und Erfahrung mit dem konkreten Problem besitzt.

Im ersten Gespräch sollte er die laufenden Fristen erkennen, die wesentlichen Tatsachen erfragen und die Ziele des Arbeitnehmers klären. Anschließend sollte er Chancen, Risiken, Kosten und mögliche Ergebnisse verständlich erläutern.

Ein guter Anwalt beschränkt sich dabei nicht auf die rechtliche Bewertung einzelner Fragen. Er entwickelt gemeinsam mit dem Arbeitnehmer eine Strategie, die sowohl die rechtlichen als auch die wirtschaftlichen und persönlichen Folgen berücksichtigt. Dazu gehört auch eine transparente Aufklärung über die voraussichtlichen Kosten und die verschiedenen Möglichkeiten der Vergütung.

Ebenso wichtig sind eine gute Erreichbarkeit, eine verständliche Kommunikation und eine realistische Einschätzung der Erfolgsaussichten. Arbeitnehmer sollten jederzeit nachvollziehen können, welche Schritte als Nächstes geplant sind und warum diese empfohlen werden.

Onlinebewertungen können einen guten ersten Eindruck vermitteln. Sie sollten aber nicht das einzige Auswahlkriterium sein. Auch Auszeichnungen, Rankings und Bezeichnungen wie „Top-Anwalt“ oder „bester Anwalt für Arbeitsrecht“ sollten kritisch eingeordnet werden. Teilweise beruhen sie auf redaktionellen Auswahlverfahren, Empfehlungen, Umfragen oder kostenpflichtigen Veröffentlichungsmodellen.

Aussagekräftiger sind konkrete Informationen über die Spezialisierung, die Erfahrung, die Arbeitsweise, die Erreichbarkeit sowie den Umgang mit Mandanten. Auch transparente Informationen zu Kosten, möglichen Vergütungsmodellen und dem Ablauf des Mandats sprechen regelmäßig für eine professionelle Beratung. Daneben bleibt der persönliche Eindruck im ersten Gespräch ein wichtiger Faktor.

Fazit

Ein Anwalt für Arbeitnehmer vertritt Beschäftigte konsequent gegenüber ihrem Arbeitgeber. Seine Vorteile liegen in der arbeitsrechtlichen Spezialisierung, der ausschließlichen Ausrichtung auf Arbeitnehmerinteressen, der Kenntnis typischer Arbeitgeberstrategien und einer Beratung, die rechtliche, wirtschaftliche und persönliche Folgen miteinander verbindet. Er entwickelt nicht nur die rechtlich passende Lösung, sondern auch eine Strategie, die den individuellen Zielen des Arbeitnehmers gerecht wird.

Besonders bei Kündigungen, Aufhebungsverträgen, Abmahnungen und erheblichen Vergütungsansprüchen kann eine frühe Beratung verhindern, dass Fristen versäumt, Rechte aufgegeben oder ungünstige Vereinbarungen unterschrieben werden. Eine gute arbeitsrechtliche Beratung zeichnet sich dabei nicht nur durch juristische Fachkenntnisse aus, sondern auch durch eine transparente Kommunikation, eine klare Strategie und eine konsequente Ausrichtung an den Interessen des Arbeitnehmers.

Autor

Rechtsanwalt Max Matveev berät und vertritt ausschließlich Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer im Arbeitsrecht für die Kanzlei Dieks. Seine Schwerpunkte liegen insbesondere bei Kündigungen, im Kündigungsschutz, bei Aufhebungsverträgen, Abfindungsverhandlungen und weiteren Konflikten rund um die Beendigung von Arbeitsverhältnissen. Vor seiner Tätigkeit auf Arbeitnehmerseite war Max Matveev viele Jahre für Arbeitgeber tätig. Er kennt daher nicht nur die rechtlichen Anforderungen an Kündigungen und andere arbeitsrechtliche Maßnahmen, sondern auch die internen Entscheidungswege, wirtschaftlichen Erwägungen und typischen Verhandlungsstrategien auf Arbeitgeberseite. Diese Erfahrung setzt er heute gezielt für die Interessen von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern ein.

Max Matveev ist Mitglied der Arbeitsgemeinschaft Arbeitsrecht im Deutschen Anwaltverein und befasst sich zudem intensiv mit der Digitalisierung anwaltlicher Arbeit. Sein Ziel ist es, Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern Zugang zu bezahlbarer anwaltlicher Beratung und Vertretung zu ermöglichen.